Ab 1995 - die Usedomer Bäderbahn GmbH

     
BR 771/971 Bahnhof Seebad Heringsdorf

Am 1. Juni 1995 übernahm die am 21. Dezember 1994 neu gegründete Usedomer Bäderbahn GmbH (UBB), eine 100 %ige Tochter der DB AG mit den Nebenbahnen Seebad Ahlbeck - Zinnowitz - Wolgaster Fähre und Zinnowitz - Peenemünde ein von der Stilllegung bedrohtes, vom langjährigen Auslaufbetrieb durch die DR und das unterschiedliche Ausbauniveau zwischen DR und DB geprägtes 54 km langes Streckennetz, 32 Jahre alte Fahrzeuge, Triebwagen der Baureihe 771/971, sowie eine grundlegend sanierungsbedürftige Eisenbahninfrastruktur und sinkende Fahrgastzahlen.

     
Eröffnung neuer Haltepunkt Ahbeck Grenze

Seitdem führt die UBB den Betrieb als zugelassenes Eisenbahninfrastruktur- und Eisenbahnverkehrsunternehmen.
Mit einem realistischen, tragfähigen Konzept und Unterstützung des Bundes, des Landes und der DB AG wurden die Weichen endgültig in Richtung Weiterbetrieb, Erneuerung, Modernisierung und Erweiterung des Inselbahnnetzes gestellt.

     

Bereits ein Jahr zuvor startete ein Modernisierungsprogramm. Im Jahre 1994 begann die Oberbauerneuerung, so dass die Höchstgeschwindigkeit von bisher 60 km/h (50 km/h auf dem Abschnitt Zinnowitz-Peenemünde Dorf), die aufgrund der maroden Gleise kaum noch zugelassen war, abschnittsweise auf 80 km/h erhöht werden konnte.
Saniert wurde in folgenden Etappen
- Abschnitt Koserow - Kölpinsee, Hp Schmollensee; Beginn der Arbeiten an der Strecke Zinnowitz - Peenemünde Dorf
- Abschnitt Bansin Seebad - Seebad Ahlbeck mit Stellwerk Heringsdorf und Sackkanalbrücke
- Zinnowitz - Zempin, Fertigstellung der Peenemünder Trasse sowie Reaktivierung des Streckengleises von Seebad Ahlbeck zum neuen Endhaltepunkt Ahlbeck Grenze
- Wiederinbebriebnahme der Station Trassenheide mit Umbau zum Bahnhof (Kreuzungsgleis, zweiter Bahnsteig)
- Wiederherstellung des Kreuzungsbahnhofs Koserow

Sanierter Bahnhof Seebad Heringsdorf
     

Allein zwischen 1995 und 1997 investierte die UBB etwa 47 Millionen Mark in die Modernisierung der Bahnanlagen.
Mit dem Gleisbau wurden alle Weichen und Bahnübergänge erneuert und neue automatische Halbschranken installiert. Bessere Anschluss- und Umsteigemöglichkeiten erlaubt der 1996 in Zinnowitz geschaffene dritte Bahnsteig. Von Zinnowitz aus fernbedient werden Weichen und Signale des neuen Bahnhofs Trassenheide. Erhöhte Sicherheit bietet der auf die südliche Gleisseite und damit an den Innenbogen verlegte Haltepunkt Schmollensee, wo jetzt ein bequemes Umsteigen zum Bus möglich ist. Dem Neubau Hp Ahlbeck Grenze folgten die Hp Neuhof und Stubbenfelde.

     
BR 646/946 Haltepunkt Wolgaster Fähre

Seit 1999 gehört die Nebenbahn Züssow - Wolgast Hafen (mit Zugang an das Hauptstreckennetz der DB AG) zum Streckennetz.
Die Wiederanbindung an das Festlandnetz erfolgte nach 55 Jahren zum Fahrplanwechsel im Sommer des Jahres 2000 über die bereits fertiggestellte kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke in Wolgast. Um eine niveaugleiche Kreuzung mit der stark frequentierten B 111 in Wolgast zu vermeiden mussten die Bahnanlagen des Bahnhofes Wolgaster
Fähre zurückgebaut, ein Haltepunkt eingerichtet und eine neue Umgehungsstraße gebaut werden. Die Schlossgrabenbrücke vervollständigte die Festlandanbindung.

     
Betriebshof Seebad Heringsdorf

Ebenfalls seit Fahrplanwechsel Sommer 2000 befährt die UBB die Strecke mit modernen Dieselelektrischen Niederflur-Gelenktriebwagen GTW 2/6. Diese 14, seit Anfang 2003 23 modernen, komfortablen Triebwagen der Baureihe 646.1 haben die Schienenbusse der Baureihe 771/971 aus den Jahren 1962 bis 1964 abgelöst. Einige der alten Triebwagen bleiben für museale Zwecke erhalten. Der dieselbetriebene Niederflur-Gelenktriebwagen besitzt 123 Sitzplätze, Vakuumtoilette und einen großzügigen Niederflurbereich von 70 % und ist mit seinem Mehrzweckraum rollstuhlgerecht und ideal für den Transport von Fahrrädern und Kinderwagen.

     
Gleisbauarbeiten

Um die technische Wartung, Reinigung und Instandhaltung der Fahrzeuge zu sichern, wurde im September 2000 in Heringsdorf ein neuer Betriebshof mit Abstellanlage übergeben.
Der Bahnhof Wolgast wurde saniert, ebenso 10 denkmalgeschützte Empfangsgebäude. Inzwischen lädt in Heringsdorf und Koserow eine anspruchsvolle Gastronomie im Bahnambiente zum verweilen ein. Im Bahnhofsgebäude Kölpinsee fand die Heimatstube Loddin ein neues Domizil. In der ehemaligen Gaststätte des Bahnhofes Zempin eröffnete Ende 2003 eine Physiotherapie.

     

Nachdem die UBB bis zum Jahre 2004 die Sanierung der Strecke von Wolgast nach Züssow nach dem Vorbild der Strecken auf der Insel abschließen wird, ist hier eine Streckengeschwindigkeit von 100 km/h möglich. Die UBB führt auf dieser Infrastruktur ausschließlich Schienenpersonennahverkehr als Eisenbahn-verkehrsunternehmen durch. Da die UBB gleichzeitig Eigentümer und Betreiber der Eisenbahninfrastruktur ist, steht das Streckennetz auch für andere Verkehrsunternehmen für den Güter- und Fernverkehr zur Verfügung.

Erste Ankunft des "Urlaubsexpress" im Bahnhof Seebad Heringsdorf 2001
     

Mit dem Urlaubsexpress Köln-Heringsdorf und der direkten Umsteigemöglichkeit in Züssow wurde eine direkte Inselanbindung, wie bereits 1924 in Meyers Reisebüchern beschrieben, erneut möglich.
Seit Herbst 2002 fährt die UBB im Rahmen des Projektes „Vorpommernbahn“ über Greifswald und Stralsund bis nach Barth. Die UBB verbindet so die Insel Usedom mit dem Festland und den Städten Stralsund, Greifswald, Wolgast und in Perspektive auch Swinemünde, so dass sie Vorpommern von Usedom bis zum Darß erschließt.

Das Tor zur Insel: "Umsteigebahnhof Züssow"
     

Dabei wurde die Eisenbahninfrastruktur zwischen Velgast und Barth von der UBB von der DB Netz AG erworben. Erste Teilabschnitte zwischen Kenz und Barth sowie das Bahnhofsgleis in Barth wurden 2003 und 2004 bereits saniert. Gemeinschafts-projekte mit Busunternehmen ermöglichen attraktive Angebote im täglichen örtlichen Personennahverkehr für Einheimische und Touristen gleichermaßen.

BR 646/946 Bahnhof Velgast
     
BR 646/946 Bahnhof Barth
Fahrradtransport Buslinie 210 Bahnhof Barth
     

Über das bisher Erreichte hinaus ist die UBB weiterhin bestrebt ihr Bedienungsgebiet zu erweitern. So existiert seit dem 5. November 1999 vorliegende Studie zur Trassierung des Linienverlaufes für die Eisenbahnlinie Swinoujscie Zentrum - Ahlbeck / Garz (Staatsgrenze), die zwei Realisierungsetappen beinhaltet. Die vorgeschlagene Lösung soll eine Verbindung zwischen dem Endpunkt des Gleises der UBB in der Ortschaft Ahlbeck (Staatsgrenze) und dem Zentrum der Stadt Swinoujscie (Etappe 1) herstellen. Mit der 2. Etappe soll Swinoujscie, auf deutscher Seite über den alten Eisenbahndamm der ehemaligen Eisenbahnlinie Ducherow - Swinemünde, mit dem Flughafen Garz verbinden.

     
Bahnhof Seebad Ahlbeck

Dem weiteren Ausbau des Streckennetzes der Bäderbahn kommt eine zentrale Bedeutung in einem integrierten deutsch-polnischen Gesamtverkehrskonzept zu. Mit dem in den letzten Jahren erfolgten Ausbau des Streckennetzes stellt die Usedomer Bäderbahn bereits jetzt einen wesentlichen Bestandteil des Verkehrssystems der Insel dar. Durch die Wiederinbetriebnahme der Strecke von Ahlbeck bis zum Haltepunkt an der Grenze im Sommer 1997 wurde die Verbindung von und nach Swinoujscie und damit der grenzüberschreitende Verkehr bereits deutlich erleichtert. Damit stellt sich die Frage einer Weiterführung der Eisenbahn auf polnischer Seite, zunächst bis in die Stadt Swinoujscie.

     

Die dringende Notwendigkeit des Lückenschlusses ergibt sich aus dem fehlenden öffentlichen Personennahverkehr zwischen dem deutschen und polnischen Teil der Insel Usedom. Es ist absehbar, dass sich Swinoujscie mit seinen ca. 50.000 Einwohnern zu einem regionalen Zentrum entwickeln wird. Die kulturelle und wirtschaftliche Attraktivität der Stadt Swinoujscie sowie der Hafen mit dem geplanten Ausbau der Terminals für Fähren nach Skandinavien werden dabei eine zunehmende Rolle spielen.

     
Swinoujscie

Erste Schritte zur Wiederinbetriebnahme der Strecke nach Swinoujscie und zum Flughafen Heringsdorf / Garz wurden unter Einbeziehung der deutschen und polnischen Einwohner und Entscheidungsträger veranlasst. Eine erste Willenserklärung wurde am 26. Juni 1999 in Swinoujscie zwischen der Deutschen Bahn AG, den Polnischen Staatsbahnen und der Stadt Swinoujscie verfasst. Dem Wunsch von PKP und DB AG gemäß, wurde diese Strecke in das Verzeichnis der deutsch-polnischen Eisenbahngrenzübergänge aufgenommen (Anlage zum deutsch-polnischen Abkommen über Grenzübergänge und Arten des grenzüberschreitenden Verkehrs vom 19. November 1992).

     

Seit Mai 2004 findet die ehemalige Eisenbahnverbindung zwischen Seebad Heringsdorf, Swinoujscie und Ducherow Erwähnung im Bundesverkehrswegeplan unter den dort aufgeführten internationalen Projekten. Dies ist ein entscheidenter Schritt zur möglichen Wiederinbetriebnahme und Finanzierung des Wiederaufbaus der alten Eisenbahnverbindung von (Berlin - Pasewalk) - Ducherow - Karnin - Swinoujscie nach Seebad Heringsdorf. Mit dem Wiederaufbau könnte die Fahrzeit zwischen Berlin und Usedom auf ca. 2 Stunden verkürzt werden, wodurch die Attraktivität Usedoms als „Naherholungsgebiet" von Berlin weiter zunehmen würde.

  

Am 20. September 2008 fand die feierliche Eröffnung des neuen UBB-Streckenabschnittes Ahlbeck Grenze - Świnoujście Centrum statt. Der erste Zug setzte sich pünklich um 14.20 Uhr vom bisherigen Endpunkt Ahlbeck Grenze nach Świnoujście Centrum in Bewegung. Dieser wurde von einer Viezahl Schaulustiger Swinemünder empfangen. Nach dem Eröffnungszug wurde ein kostenfreier 20-Minuten-Takt zwischen Seebad Heringsdorf und Świnoujście Centrum angeboten. Seit 21. September 2008 verkehren die Züge regulär im 30-Minuten-Takt noch bis 05. Oktober 2008, ab 06. Oktober 2008 dann im Stundentakt.

    

Am 01. Juni 2011 wurde gefeiert, denn an diesem Datum bestand unsere Inselbahn genau 100 Jahre und der neue Haltepunkt " Neu Pudagla" wurde eröffnet.

   
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